Fasan II
Versteckt zwischen Bäumen und dichtem Bewuchs liegen die Überreste einer Anlage, deren Geschichte bis in die dunkelsten Jahre Deutschlands zurückreicht.
Massive Betonmauern, verfallene Bunker und überwucherte Ruinen erinnern an eine Zeit, in der hier Sprengstoff für die deutsche Rüstungsindustrie hergestellt werden sollte. Heute hat sich die Natur große Teile des ehemaligen Geländes zurückerobert. Was einst als streng abgeschirmte Industrieanlage geplant war, ist mittlerweile zu einem beinahe vergessenen Relikt des Zweiten Weltkriegs geworden.
Die verlassenen Bunker von Fasan II sind dabei nicht nur aus fotografischer Sicht interessant. Hinter den unscheinbaren Betonruinen verbirgt sich auch ein bedrückendes Kapitel deutscher Geschichte.
Die Geschichte von Fasan II
Die Geschichte der Anlage begann im Dezember 1938, als im Zuge der nationalsozialistischen Aufrüstung mit dem Bau der Sprengstofffabrik Fasan I begonnen wurde. Bereits wenige Monate später folgte die Erweiterung um das Werk Fasan II.
Ziel war die großindustrielle Herstellung von Hexogen, einem besonders leistungsfähigen Sprengstoff, der unter anderem für militärische Zwecke eingesetzt wurde.
Die Gebäude wurden weitläufig verteilt und teilweise mit begrünten Dächern getarnt. Dadurch sollte die Anlage aus der Luft möglichst schwer zu erkennen sein. Gleichzeitig sollte die räumliche Trennung verhindern, dass eine Explosion unmittelbar weitere Gebäude zerstörte.
Während Fasan I tatsächlich zu einer bedeutenden Produktionsstätte für Hexogen wurde, kam der Ausbau von Fasan II bereits 1940 weitgehend zum Erliegen. Zahlreiche der geplanten Bunker und Gebäude blieben unvollendet oder wurden nie für ihren ursprünglichen Zweck genutzt.
Zur Geschichte des gesamten Werkskomplexes gehört auch der Einsatz von Zwangsarbeitern. Ab 1942 mussten Menschen, die aus ihrer Heimat verschleppt worden waren, unter den Bedingungen der nationalsozialistischen Kriegswirtschaft arbeiten.
Am 28. April 1945 endete mit dem Einmarsch amerikanischer Truppen die Geschichte der Anlage als Rüstungsstandort. Nach Kriegsende wurden Teile der Bunkeranlagen gesprengt und unbrauchbar gemacht.
Vom Sprengstoffbunker zum Tanzlokal
Ein besonders ungewöhnliches Kapitel begann wenige Jahre nach dem Krieg. Einer der erhalten gebliebenen Bunker wurde in den 1950er-Jahren zu einem Café umgebaut.
Wo ursprünglich Sprengstoff gelagert werden sollte, trafen sich nun Menschen zu Kaffee und Kuchen, Sommerfesten und Tanzveranstaltungen.
Dieser Wandel erscheint heute beinahe surreal. Ein Bauwerk, das ursprünglich Teil der nationalsozialistischen Rüstungsindustrie werden sollte, entwickelte sich für einige Jahre zu einem Ort der Freizeit und Geselligkeit.
Anfang der 1960er-Jahre wurde das Café schließlich geschlossen. Seitdem setzte sich der Verfall zunehmend fort.
Heute sind von Fasan II nur noch einzelne Gebäude und Bunkerreste erhalten. Die einstigen Industrieanlagen sind teilweise von dichtem Bewuchs umgeben. Moose, Sträucher und Bäume haben sich ihren Weg zwischen die massiven Betonmauern gebahnt.
Gerade diese Verbindung aus Natur und verfallener Architektur macht den Ort für die Lost-Place-Fotografie interessant.
Besonders faszinierend finde ich an solchen Anlagen, wie stark sich ihre ursprüngliche Bedeutung im Laufe der Jahrzehnte verändert. Die Gebäude wurden für einen ganz bestimmten Zweck errichtet, verloren diesen jedoch innerhalb weniger Jahre wieder. Heute stehen sie verlassen zwischen den Bäumen und erzählen von einer Vergangenheit, die auf den ersten Blick kaum noch zu erkennen ist.
Anders als bei alten Hotels oder Industriehallen geht von ehemaligen Militäranlagen häufig eine ganz eigene Atmosphäre aus. Die schlichten, massiven Betonbauten wirken auch Jahrzehnte nach ihrer Aufgabe noch immer abweisend und ungewöhnlich.
Fasan II ist ein gutes Beispiel dafür, dass hinter einem Lost Place weit mehr stecken kann als nur eine verlassene Ruine. Die Geschichte des Geländes ist eng mit Krieg und Zwangsarbeit verbunden.
Mit meinen Fotografien möchte ich solche Orte und ihre Geschichte dokumentieren. Denn auch wenn die Natur die letzten sichtbaren Spuren irgendwann vollständig überwuchert haben sollte, sollte die Erinnerung an das, was hier einmal geschehen ist, nicht verloren gehen.